Erstmals seit mehreren Jahren startet kein Skeleton-Ass aus dem Osterzgebirge im Weltcup. Nachdem sich Nachwuchshoffnung Susanne Kreher vom BSC Sachsen Oberbärenburg noch gedulden und weiter auf ihren zweiten Einsatz in der höchsten internationalen Rennserie warten muss, ist nun auch ihr Vereinskollege, Vizeweltmeister Axel Jungk, nicht für das deutsche Weltcup-Team nominiert worden. Nach der für ihn sehr enttäuschenden Selektion und Platz vier bei der Deutschen Meisterschaft am Sonnabend in Winterberg hat der 29-jährige Dresdner nun Gewissheit.

Nach dem vierten und letzten Ausscheidungsrennen am Sonnabend in Winterberg hat Bundestrainer Christian Baude am Montag das deutsche Team für die am 20. November im lettischen Sigulda startende Weltcupserie 2020/21 bekanntgegeben. Jungk und Kreher fehlen wie erwartet im Aufgebot.

Während Weltmeister Christopher Grotheer vom BRC Thüringen bereits gesetzt war und sich Junioren-Weltmeister Felix Keisinger vom WSV Königssee nach drei Siegen in den insgesamt vier Selektionsrennen durchsetzen konnte, war ohnehin nur noch ein Startplatz vakant. Diesen ergatterte sich mit seinem Sieg bei der Selektion in Winterberg, die zugleich als Deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde, ausgerechnet Jungks ärgster Kontrahent um den freien Startplatz, Alexander Gassner vom BSC Winterberg.

Der Lokalmatador und Bronzemedaillengewinner von der WM 2020 in Altenberg gewann im Hochsauerland in 1:50,82 Minuten wie im Vorjahr und nur mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung den Meistertitel vor Grotheer (+0,01 Sek., BRC Thüringen). Der Thüringer Weltmeister war zuvor mit 55.28 Sekunden im ersten Lauf noch Bahnrekord gefahren, konnte den Vorsprung im zweiten Lauf aber nicht bis ins Ziel retten. Der dritte Platz ging an Juniorenweltmeister Keisinger (+0,07), der einmal mehr mit Startbestleistungen glänzte. Jungk hatte +0,41 Sekunden Rückstand auf Gassner und fuhr auf Rang vier.

„Das Männerrennen war der Hammer, das fand ich richtig spektakulär. Die Zeiten, die Abstände auch nach dem ersten Lauf mit Christopher, Alex und Felix innerhalb von einem halben Zehntel war wie bei der WM. Im zweiten Lauf mit diesem knappen Sieg von Alex ist genau das Niveau, wo wir hinmüssen, wo wir auch hinwollen. Das macht mir momentan sehr große Freude. Auch Axel und dann Felix Seibel im zweiten Lauf, wo er mal gezeigt hat, was er kann.“, erklärte der Bundestrainer.

Der aus Hohndorf stammende Dresdner Jungk muss sich nun mit zwei weiteren deutschen Skeletonsportlern in der zweithöchsten internationalen Rennserie für eine etwaige Einsatzchance in diesem Winter empfehlen, im Intercontinental-Cup (ICC). Wann dieser startet, ist aber noch offen.  „Momentan gibt es da noch ein paar organisatorische Probleme“, erklärt Jungk nach seinem Weltcup-Aus.

Ursprünglich sollt die aus sechs Rennen an den drei Austragungsorten Königssee, Pyeongchang und Innsbruck-Igls bestehende Wettkampfserie Anfang Dezember in dem bayrischen Eiskanal starten. Doch der Auftakt soll offensichtlich verschoben werden ins neue Jahr. Für die WM 2021, die zwischen 1. und 14. Februar 2021 wieder in Altenberg stattfinden soll, könnte sich Jungk als vierter deutscher Starter mit starken Ergebnissen durchaus noch qualifizieren. Das wäre unter anderem dann der Fall, wenn sich Keisinger (wie schon im vorigen Winter) mit erneutem Gold bei der Junioren-WM Ende Januar in St. Moritz noch die Wildcard des Nachwuchschampions für Altenberg 2021 sichern könnte.

Auf dieses zusätzliche WM-Ticket hofft auch Susanne Kreher. Die 20-jähirge Vorjahres-Dritte wurde bei den Deutschen Meisterschaften in Winterberg hinter Goldmedaillengewinnerin Tina Hermann vom WSV Königssee, der wiedererstarkten Jacqueline Lölling (RSG Hochsauerland) und Lokalmatadorin Hannah Neise Platz vier. Susanne Kreher fuhr ein gutes Rennen, lag zwischenzeitlich in beiden Durchgängen sogar auf Titelkurs. Am Ende hatte die im Sommer von Altenberg nach Dresden gezogene Vize-Juniorenweltmeisterin 0,49 Sekunden Rückstand auf Hermann.

„Prinzipiell bin ich schon zufrieden“, sagt das aus Bärenstein im Erzgebirge stammende Skeletontalent. „Ein Platz in den Top drei wäre natürlich besser gewesen. Aber ich bin froh, dass ich noch mal zeigen konnte, dass ich mit der Spitze mithalten kann.“

In der Selektion hatte sie noch nicht ganz an ihre starken Auftritte aus der Vorsaison anknüpfen können. Bei den Selektionen in Altenberg wurden sie Vierte und Dritte. Bei ihrem Debüt Ende Oktober in Sigulda fuhr die Deutsche Anschubmeisterin von 2019 auf Rang fünf. Zum Schluss verpasste sie in Winterberg das Podest mit zwei Zehnteln.

“In Altenberg lief es leider in der Bahn noch nicht so gut, vor allem der Kreisel war das Problem”, erklärt Susanne Kreher. “Bis dahin war ich in Altenberg vorn mit dabei, habe dann aber zu viel Zeit in der Kurve verloren. Da hätten mir noch ein paar Trainingseinheiten mehr weitergeholfen, auch um allgemein besser wieder ‘ins Fahren zu kommen’, da wir diesmal keine Fahrweise vor den Selektionen hatten.”

Das Rennen in Lettland bewertet die ehemalige Leichtathletin als “solide”. “Es war auch das erste Mal, dass ich auf der Bahn war, und die ist schon sehr anspruchsvoll”, so die Erzgebirgerin, die im Sommer zu Axel Jungks Trainingsgruppe nach Dresden gewechselt war, welche von DSC-Leichtathletik-Chefcoach Stefan Poser betreut wird.

Im kommenden Januar will Susanne Kreher im ICC starten, für den sie sich sicher qualifiziert hatte – wie schon in den beiden Vorjahren. 2019/20 wurde die Skeletonsportlerin vom BSC Sachsen Oberbärenburg sogar Gesamt-Zweite im ICC und hatte dabei auf das letzte ICC-Auftritt wegen der Junioren-WM 2020 in Winterberg verzichtet.

 

In den kommenden Wochen wird das Oberbärenburger Skeleton-Ass am Stützpunkt in Altenberg trainieren. „Auf jeden Fall werde ich auch erstmal Spurschlitten fahren beim Europacup Ende November in Winterberg und eventuell beim Europacup Mitte Dezember in Sigulda starten“, so Susanne Kreher. Bei der Junioren-WM in St. Moritz will sie dann doch noch das Ticket für die Heim-WM lösen. Dazu müsste sie in der Schweiz aber den Titel holen.

(skl/Fotos: skl)