Die deutsche Hauptstadt zieht sich offiziell als Olympia-Kandidat zurück: Der Landessportbund Sachsen zeigt sich enttäuscht über das Aus von „Berlin+“ als bis dato möglicher deutscher Kandidat für die Olympischen (und paralympischen) Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. „Wir bedauern den Rückzug von Berlin+ sehr. Leipzig und Sachsen waren mit großer Überzeugung Teil dieses Konzepts. Die gemeinsame Bewerbung hat gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung einer internationalen Metropole mit starken Sportstandorten und großer Sporttradition in den Regionen liegt“, erklärte LSB-Präsident Dr. Frank Pfeil in einer Pressemitteilung.

Sein ausdrücklicher Dank gilt allen Beteiligten in Berlin und Leipzig für ihr Engagement.

Positiv bewertet der LSB indes, dass der neben München noch verblieben deutsche Kandidat Köln-Rhein-Ruhr mit dem Kanupark Markkleeberg und dem Segelstandort Rostock-Warnemünde ausdrücklich auch ostdeutsche Sportstandorte einbeziehen möchte. Dies sei „ein starkes Signal für den Anspruch, Olympische und Paralympische Spiele als gesamtdeutsches Projekt zu verstehen“, so Pfeil weiter.

Die Entscheidung über die deutsche Olympiabewerbung fällt an diesem Sonnabend nur noch zwischen München und Köln-Rhein-Ruhr. Nach Andeutungen in den vergangenen Tagen hat sich Berlin am heutigen Donnerstag offiziell selbst aus dem Rennen genommen. Der noch amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner teilte den Rückzug bei einer Pressekonferenz mit.

Die Verbände hätten verlangt, was Berlin „ihnen nicht habe bieten“ können – „nämlich politische Stabilität“, sagte der Olympia-Beauftragte Kaweh Niroomand gegenüber Medien. Nach den Ergebnissen der Abgeordnetenhauswahlen am vergangenen Sonntag in Berlin verschlechterten sich die Chancen von Berlin als DOSB-Kandidat noch mehr.

Die Chancen auf den Zuschlag waren – trotz attestierter internationaler Strahlkraft von Berlin als Zugpferd der Bewerbung mit weiteren Sportstätten in mehreren ostdeutschen Bundesländern, so unter anderem auch in Sachsen mit Leipzig bzw. Markkleeberg und Dresden – zudem ohnehin nicht mehr als besonders groß eingeschätzt worden.

Prüfer des DOSB hatten Berlin hinter der knapp erstplatzierten Münchner Bewerbung und Köln-Rhein-Ruhr eher abgeschlagen nur auf Platz drei gesehen. Die Ergebnisse wurden diese Woche veröffentlicht. Der anfangs noch angetreten vierte Kandidat, Hamburg, hatte sich nach einem negativen, für den Senat der Hansestadt verbindlichen Referendum der Bevölkerung von Ende Mai 2026 bereits zurückgezogen.

Zwischen den beiden verblieben Kandidaten wird nun am Sonnabend bei einer außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden der deutsche Bewerber gewählt. Dieser tritt dann in der Folge gegen Kandidaten aus anderen Staaten um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 an.

Die bislang letzten Sommerspiele auf deutschem Boden fanden vor 54 Jahren, im August/September 1972, in München statt. Zuvor gab es 1936 Olympische Sommerspiele in Berlin und zuvor im selben Jahr Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen. Die Sommerspiele, die 2016 in Berlin stattfinden sollten, waren wegen des Ersten Weltkriegs abgesagt worden.

(skl/Foto: Kulturprojekte Berlin Naroska/lsb)